Das Uniform-Resource-Name (URN) Management der Deutschen Nationalbibliothek für Online-Hochschulschriften

Eine Aufgabe der Deutschen Nationalbibliothek ist die Gewährleistung der Langzeitverfügbarkeit archivierter Netzpublikationen. Dazu gehören die Anwendung sowohl von substanzerhaltenden Maßnahmen wie Konvertierungs-, Emulations- oder Migrationsstrategien aber auch leistungsstarker Identifizierungs- und Adressierungsmechanismen. Weitere Information finden Sie auf dem Archivserver der Deutschen Nationalbibliothek. Ein wesentlicher Bestandteil in diesem Kontext ist die Anwendung von URNs zur eindeutigen Identifizierung und dauerhaften Adressierung von digitalen Objekten.

Im Rahmen des Projektes CARMEN-AP4 (1999-2002) wurde ein, auf Kooperation mit den Bibliotheksverbünden und Universitätsbibliotheken angelegtes, verteiltes Uniform Resource Name-(URN)-Management eingeführt. Seit September 2001 werden an der Deutschen Nationalbibliothek URNs für evaluierte digitale Inhalte, den Online-Dissertationen, administriert und aufgelöst.

Struktur der Uniform Resource Names (URN)

URNs, die an der Deutschen Nationalbibliothek administriert werden, leiten sich aus dem internationalen Namensraum "NBN" (National Bibliography Number) ab. Der Namensraum "NBN" ist eine gemeinsame Initiative der Nationalbibliotheken, die aus den Aktivitäten von CDNL und CENL hervorgegangen ist. Das Konzept sieht eine verteilte Administrierung vor, bei der den einzelnen Nationalbibliotheken die Verwaltung und Auflösung von URNs entsprechend ihrem Sammelauftrag zugeordnet wird. Die Deutsche Nationalbibliothek ist damit für die Verwaltung von URNs mit dem Namensraum " nbn:de" verantwortlich.

Um die Einführung einer einheitlichen URN-Nummernstruktur in Deutschland zu veranlassen, fand im Mai 2001 ein Expertentreffen mit den Vertretern der Bibliotheksverbünde statt. Ein Ergebnis des Treffens waren Empfehlungen in Bezug auf die formale Nummernstruktur. Demnach wird eine URN nach dem folgenden Muster gebildet:

urn:nbn:de:[Verbundabk.]:[Sigelnummer]-[Nummer][P]

Beispiel:

urn:nbn:de:gbv:089-3321752945

Dabei bedeutet [Verbundabk.] ein Buchstabenkürzel des jeweiligen Bibliotheksverbundes, [Sigelnummer] steht für das Bibliothekssigel der Universitätsbibliothek und [Nummer] muss eine eindeutige (Produktions-)Nummer sein. [P] bezeichnet die Prüfziffer zur Validierung des Strings.

Verwaltung und Geschäftsverteilung

Das Verwaltungsprinzip basiert auf einer dezentralen URN-Vergabe und einer zentralen URN-Registrierung, -Auflösung und Archivierung der Online-Dokumente in der Deutschen Nationalbibliothek. Eine URN wird als Bestandteil der Titelaufnahme in den Katalog aufgenommen und leitet im OPAC, als Link unterlegt, über den zwischengeschalteten Auflösungsdienst der Deutschen Nationalbibliothek zur URL und somit direkt zum Dokument weiter. Die folgende Abbildung zeigt eine schematische Darstellung des URN-Workflows.

URN-Vergabe

Es werden von der Deutschen Nationalbibliothek URN-Unternamensräume wie z.B. "urn:nbn:de:gbv:089" vergeben, die einzelnen URNs werden dezentral von der Universitätsbibliothek generiert.

URN-Meldung

Allgemeine Anforderungen

Transferwege

Die Deutsche Nationalbibliothek ist in der Lage, URNs über verschiedene Transferwege zu registrieren. Für Online-Hochschulschriften existieren folgende Möglichkeiten:

Weiterführende Informationen zu Transferbedingungen und Transferschnittstellen zur Verwaltung von URNs an der Deutschen Nationalbibliothek finden Sie unter dem Menüpunkt "Implementation (URN)".

Nachweis von URNs

URNs werden über MAB (Feld "Persistent Identifier": 552 $b) zusammen mit den URLs (Feld 655 $g) (MAB-Dokumentation) transportiert und können über die bibliografischen Dienste der Deutschen Nationalbibliothek (z. B. Print- und Online-Versionen der Reihen A, H der Deutschen Nationalbibliografie) bezogen werden.

Dem Benutzer wird die URN im Web-OPAC und Z39.50-Gateway angezeigt und als Link, der auf die URL-Darstellung der NBN verweist, unterlegt. Gegenwärtig werden im OPAC sowohl die URL als auch die URN angezeigt. Geplant ist, lediglich die URN und den Verweis auf die Frontpage des Archivservers der Deutschen Nationalbibliothek im OPAC darzustellen, um die Anzeige ungültiger URLs zu vermeiden und die Vorteile der URNs zu nutzen.

Recherche nach URNs

Im Web-OPAC besteht die Möglichkeit, durch die Auswahl des Suchschlüssels "Standardnummer" selektiv nach URNs zu recherchieren.

Damit der Benutzer die notwendigen Informationen erhält, um ein Dokument dauerhaft zitieren zu können, beinhaltet die Frontpage des Dokumentenservers der Deutschen Nationalbibliothek eine URN.

Dienstleistungen der Deutschen Nationalbibliothek

Prüfverfahren

Damit beim Resolving-Prozess nur gültige URLs ausgegeben werden, wird ein täglicher URL-Check durchgeführt. Optional werden zusätzlich Konsistenzprüfungen auf Basis eines Hashcodes durchgeführt.
Werden URLs als nicht erreichbar identifiziert, wird der Nutzer beim Resolving-Prozess automatisch auf die Archiv-URL der Deutschen Nationalbibliothek verwiesen.

URL-Fehlermeldungen können temporär auftreten, z.B. durch fehlerhafte Netzverbindungen oder instabil laufende Server. Wenn URLs wieder verfügbar sind, werden sie beim Resolving-Prozess ausgewiesen. Dieser Vorgang ist vollständig automatisiert. Die Kennzeichnung von URLs, die dauerhaft inaktiv sind, z.B. infolge von Serverumstellungen, erfolgt zur Zeit nach Absprache individuell.

Aktuelle Informationen sind unter der Kategorie Statistik verfügbar.

Transferbedingungen und Transferschnittstellen zur URN-Verwaltung

Um Änderungsmeldungen bzw. weitere Aktionen, die im Rahmen der URN-Verwaltung für den URN-Unternamensraumverwalters erderlich werden, manuell oder automatisiert auszuführen, bietet die Deutsche Nationalbibliothek mehrere Transfervarianten an. Diese sind unter dem Menüpunkt "Implementation(URN)" beschrieben.

Retrospektive URN-Registrierung für Online-Hochschulschriften

Eine Besonderheit der URN-Verwaltung für Online-Hochschulschriften ist die nachträgliche URN-Meldung an die Deutsche Nationalbibliothek, wenn die Objekte bereits archiviert sind.

Es wird auf Anfrage (nbn-request@d-nb.de) von der Deutschen Nationalbibliothek eine Datei zugesandt, die alle Datensätze in einem festgelegten Format enthält, für die noch keine URNs vergeben wurden. Diesen Datensätzen müssen die URNs hinzugefügt werden. Anschließend wird die Datei an die Deutsche Nationalbibliothek zurückgesandt. Der Abgleich mit dem Katalog in der Deutschen Nationalbibliothek erfolgt alle sechs Monate, um den Arbeitsaufwand zu minimieren.

Für OPUS-Anwender steht ein Skript zur automatischen URN-Generierung auf den internen Seiten der OPUS-Betreiber zur Verfügung.

Auflösung von URNs


02.01.2008